Der beste Privacy Browser oder die Nadel im Heuhaufen? Mullvad bringt einen neuen Privacy Browser auf den Markt. Dieser Browser und weitere datenschutzfreundliche Privacy-Browser im Überblick. Ebenso werden das Tor Projekt und VPNs betrachtet.
Zusammenfassung
Die Privatsphäre und Anonymität im Internet kann durch verschiedene Möglichkeiten gewährleistet werden. Der Mullvad Browser wird für technisch unversierte Nutzer empfohlen, da der Browser mit dem Mullvad VPN ausgestattet ist und alle notwendigen Konfigurationseinstellungen bietet. Für technisch versierte Nutzer werden neben Mullvad auch Alternativen wie Arkenfox und LibreWolf empfohlen. Vor allem ist der Chrome Browser zu vermeiden.
Einleitung
Ein Gastartikel von Michael Hammer. Kommentare werden an den Autor weitergeleitet. Die Bilder samt Bildunterschriften wurden von Klaus Meffert beigesteuert (und sind von einem Computerprogramm generiert worden).
Vor kurzem wurden Privacy-Enthusiasten von einer unerwartet positiven Nachricht überrascht: Der in der Szene beliebte VPN Anbieter Mullvad hat in Kooperation mit dem Tor Project einen eigenen Browser herausgebracht. Download Windows Client.
Der explizit auf Privacy ausgelegte Browser soll ein alltagstaugliches Pendant zum Tor Browser darstellen und das bisher einzige Produkt (Mullvad VPN) ergänzen. Praktischerweise kommt der Mullvad Browser bereits mit integriertem Mullvad VPN daher. Download Browser Extension.
Um Interessenten nachvollziehbare Sorgen zu nehmen, möchte ich in diesem Artikel das Unternehmen Mullvad etwas näher beleuchten, auf bisher relevante Alternativen zum Mullvad Browser eingehen (deren Relevanz seit der Veröffentlichung potentiell stark rückläufig ist) und Vergleiche zu alternativen Privacy Browsern (z. B. Brave Browser) ziehen. Zum Schluss des Artikels folgt eine Empfehlung für technisch versierte und unversierte Nutzer. Spoiler: Unabhängig vom bisher verwendeten Browser empfehle ich beiden Personengruppen zukünftig den Mullvad Browser für den alltäglichen Gebrauch.
Im Beitrag beantwortete Fragen:
Was ist der Mullvad Browser? Der Mullvad Browser ist ein Privacy-Browser, der mit dem Mullvad VPN einhergeht und out of the box alle notwendigen Konfigurationseinstellungen mitbringt. Was ist Arkenfox? Arkenfox ist ein Template für den Firefox Browser, das viele Browsereinstellungen hinsichtlich verbesserter Privacy vornimmt und abändert, und wird von einer aktiven Community von Privacy-Enthusiasten gepflegt und weiterentwickelt. Was ist LibreWolf? LibreWolf ist ein Privacy-Browser, der sich inzwischen kaum von Arkenfox unterscheidet, jedoch ohne integriertes VPN kommt. Was ist der Tor Browser? Der Tor Browser ist ein Browser des Tor Project, der Nutzern mit unterschiedlichem technischen Hintergrund einen einfachen Zugang zum Tor Netzwerk ermöglicht.
Mullvad VPN: Ein VPN Anbieter von vielen?
Das Thema VPN sorgt seit jeher für Diskussionen unter Enthusiasten im Bereich Privacy / Datenschutz. Aus gutem Grund, wie ich finde, denn ein Großteil der VPN Nutzer hat ein absolut oder überwiegend falsches Verständnis der Funktionsweise von Virtual Private Networks (VPNs) und den damit einhergehenden Auswirkungen auf die eigene Anonymität im Internet.
Das liegt nicht zuletzt am marktorientierten Handeln vieler VPN Anbieter mit Interesse an Wirtschaftlichkeit, gepaart mit aggressivem Marketing inkl. irreführender Aussagen zur Funktionsweise und den damit einhergehenden Privacy-Vorteilen (wir alle wissen, welcher VPN Anbieter gemeint ist und er hat nichts mit Süd zu tun). Hinzu kommt, dass viele VPN Anbieter häufig mit Regierungsbehörden (und Werbeunternehmen) kooperieren und erhobene Nutzerdaten womöglich sogar weniger geschützt sind, als bei Verzicht der Nutzung eines VPNs zugunsten des lokalen Internet Service Providers.
Info: Die ausschließliche Nutzung eines VPNs ist hinsichtlich der eigenen Anonymität im Internet ein Tropfen auf den heißen Stein. VPNs können darüber hinaus allerdings weitere Vorteile bieten und die Verschleierung der eigenen IP ist je nach Threat Model absolute Grundvoraussetzung für Anonymität – als Einzelmaßnahme allerdings vollkommen unzureichend.
Ungeachtet der starken Abneigung vieler Enthusiasten im Bereich Privacy / Datenschutz gegenüber VPN Anbietern im Allgemeinen, genießt Mullvad VPN einen sehr guten Ruf und blickt auf eine langjährige Historie zufriedener Nutzer zurück. Mit welchen technischen Mitteln Mullvad die regulatorischen Anforderungen erfüllt und dennoch für möglichst viel Privatsphäre sorgt, kann in den offiziellen Richtlinien des Anbieters nachgelesen werden.
Grundsätzlich handelt es sich bei Mullvad um ein schwedisches Unternehmen, welches seit 2009 im Bereich VPN aktiv ist. Neben der Bereitstellung des hauseigenen Service Mullvad VPN, führt das Unternehmen seit 2009 einen Blog, der sich im Laufe der Jahre immer stärker mit Themen wie Privatsphäre, Zensur, Datenschutz und den damit einhergehenden gesetzlichen Regularien beschäftigt.
Info: Ende März ist auf dem Mullvad Blog ein Artikel zur EU Kommissarin Ylva Johansson erschienen. Darin werden unzählige Falschaussagen und fehlerhaften Darstellungen der schwedischen Kommissarin zum Thema „Chat Kontrolle“ zunächst ins Englische übersetzt und im Anschluss aus technischer bzw. logischer Sicht bewertet.
Das Tor Project: Ein ganz kurzer Überblick
Ich gehe davon aus, dass ein Großteil aller Leser dieses Artikels etwas mit dem Tor Project anfangen können. Für diejenigen, die das Thema noch nie gehört haben oder nach wie vor nicht greifen können, folgt eine kurze Erklärung aus nicht-technischer Sicht. Technikaffinen Lesern empfehle ich zur weiteren Recherche einen Blick auf das Helpdesk der Tor Website zu werfen.
Die nachstehenden Erläuterungen beziehen sich auf offizielle Aussagen des Tor Projects.
Was ist Tor?
Tor ist ein Programm, welches den Zweck verfolgt Nutzern Anonymität im Internet zu gewährleisten. Im Gegensatz zu einer „haushaltsüblichen“ Internetverbindung, findet der Austausch von Datenpaketen bei Tor über ein verteiltes Netzwerk von sogenannten Relais statt, die wiederum von Freiwilligen, Enthusiasten und Vereinen mit Fokus auf Datenschutz / Privacy betrieben werden.

Der Vorteil daran ist, dass dieses „Tor-Netzwerk“ es Außenstehenden (Geheimdiensten, Regierungen, Tech-Firmen, etc. pp.) erschwert nachzuvollziehen, welche Websites ein Nutzer besucht, von welchem Standort aus er surft und welchen Traffic er von seinem Gerät aus generiert. Es ist das weltweit größte und bekannteste Unterfangen zum Thema Anonymität im Internet.
Was ist der Tor Browser?
Der gängigste Weg zur Nutzung des Tor Netzwerks erfolgt über den Tor Browser. Dieser Browser aus dem Hause Tor Project ermöglicht Nutzern mit unterschiedlichem technischen Background einen einfachen Zugang zum Tor Netzwerk. Der Browser selbst basiert auf dem Mozilla Firefox Browser (es handelt sich aus technischer Sicht um einen sogenannten „Fork“) mit zusätzlichem Augenmerk auf Privacy.
Info: Seit Bestehen des Tor Browsers hat Mozilla viele Einstellungen in den eigenen Firefox Browser übernommen.* Das liegt nicht zuletzt daran, dass Mozilla beim Firefox Browser immer mehr auf Privatsphäre setzt und dieses Augenmerk ihres Browsers auch entsprechend stark bewirbt.
*Diese Aussage bezieht sich auf eigene Erfahrungen des Autors und ist keine offizielle Aussage des Tor Projects, entspricht allerdings der realen Entwicklung des Firefox Browsers. Interessierte können gerne ältere Versionen vom Tor- und Firefox-Browser vergleichen und werden zum gleichen Entschluss kommen.
Das Tor Project zusammengefasst
- Das Tor Project ist eine NPO (Non-Profit-Organization), die sich um die Wartung, Instandhaltung und Weiterentwicklung der Tor Software kümmert
- Das Tor Netzwerk ist ein verteiltes Netzwerk von Relais, welches für TCP-Verbindungen ausgelegt ist und Nutzern die anonyme Nutzung u. a. von Webbrowsern ermöglicht
- Der Tor Browser ist eine Software des Tor Projects, deren Ziel es ist Nutzern einen möglichst einfachen Zugang zum Tor Netzwerk zu ermöglichen. Der Browser ist ein Firefox Fork, der dafür sorgt, dass der entstandene Traffic des Nutzers automatisch über das Tor Netzwerk abgewickelt wird
Technisch versierten oder interessierten Nutzern empfehle ich eine tiefergehende Recherche zur Funktionsweise des Tor Netzwerks, Relais und den Möglichkeiten i. Z. m. TCP-Verbindungen.
Alternativen zum Tor Browser: Warum sind sie nötig?
Wenn es denn schon den Tor Browser gibt und das Tor Netzwerk potentiell die größte Anonymität für Nutzer bietet – warum nutzen wir nicht einfach alle den Tor Browser? Die Antwort lautet, wie so oft im Bereich Privacy: Convenience bzw. Bequemlichkeit. Zwar gewährleistet die Nutzung des Tor Browsers die bestmögliche Anonymität, im Alltag ist der Browser allerdings für nicht allzu viele Einsatzzwecke geeignet. Aufgrund des Schwerpunkts auf möglichst hohe Anonymität, fehlen dem Browser wichtige Funktionen, die bei modernen Websites häufig vorausgesetzt werden.
Und obgleich der Tor Browser theoretisch so angepasst werden kann, dass zumindest viele Websites darauf funktionieren, ist er weit von einem effizienten und alltagstauglichen Browser entfernt – zumal jede Anpassung in Richtung Funktionalität stets mit verminderter Anonymität einhergeht. Wer schon einmal in den Genuss des Tor Browsers gekommen ist, weiß, wovon ich spreche – surfen macht deutlich weniger Spaß, wenn jede URL 5 Sekunden lädt und Seiteninhalte danach immer noch verzerrt und verzogen dargestellt werden.
Info: Der Tor Browser ist im Alltag / Office kaum zu gebrauchen. Die großen Vorteile im Bereich Anonymität gehen auf große Kosten der Bequemlichkeit und Funktionalität einher. Jeder Schritt den Tor Browser für möglichst viele Websites funktional zu gestalten wirkt sich negativ auf die Anonymitätsfunktion des Browsers aus.
Der Mullvad Browser: Eine Revolution im Browser-Markt?
Nachdem der Tor Browser im Alltag leider nicht zu gebrauchen ist, viele Funktionalitäten hinsichtlich der Anonymität allerdings absolut empfehlenswert sind, existiert eine Lücke im Browser-Markt, die es zu schließen gilt. Vielen Lesern werden sogenannte „Privacy Browser“ ein Begriff sein, deren Bekanntheit nicht zuletzt auf die offensichtliche Nachfrage nach mehr Anonymität / Privatsphäre beim Surfen zurückzuführen ist.
Ohne im Detail auf die einzelnen Lösungen einzugehen und deren Vor- und Nachteile abzuwiegen (im weiteren Verlauf des Artikels erfolgt eine Auflistung von Alternativen zum Mulllvad Browser), möchte ich nachstehend die nicht von der Hand zuweisenden Vorteile des Mullvad Browsers erläutern.
Eine Kooperation zwischen Mullvad und dem Tor Project
Diese Tatsache ist für sich gesehen bereits bemerkenswert, handelt es sich bei Mullvad um einen der anerkanntesten VPN Dienste im Bereich Privacy und beim Tor Project um das Projekt schlechthin zum Thema Anonymität im Internet. Eine Bündelung der Kompetenzen aus beiden Teams / Communities sollte sich definitiv vorteilhaft auf die Entwicklung Privacy-basierter Browser auswirken.
Kombination aus Convenience / Bequemlichkeit und Anonymität
Der Mullvad Browser schließt die Lücke zwischen benutzerfreundlichen Browsern mit weniger Anonymität und dem alltagsuntauglichen Tor Browser mit viel Anonymität. Mit dem Mullvad Browser haben die Nutzer einerseits einen funktionierenden Browser „out of the box“, andererseits viele Vorteile des Tor Browsers, zwar ohne Tor Netzwerk, aber dafür inkl. Mullvad VPN.
Info: Der Mullvad Browser kann auch als Tor Browser ohne Tor Network bezeichnet werden. Inwieweit die Settings identisch sind, müsste man sich im Detail anschauen. Es gibt allerdings viele Überschneidungen zwischen den hinterlegten Einstellungen im Tor Browser & Mullvad Browser und dem genutzten technischen Ansatz.
Der Browser basiert auf Firefox – und nicht Chromium
Ein weiterer Vorteil, dessen Sinnhaftigkeit eine ganz neue Diskussion auslösen würde, ist die Tatsache, dass der Mullvad Browser, ebenso wie der Tor Browser, auf Firefox basiert (anders, als im Top-Suchergebnis auf Google des zugehörigen Artikels von zdnet behauptet wird). In der heutigen Zeit haben Chromium basierte Browser (z. B. Chrome) einen unglaublich hohen Marktanteil und Mozilla Firefox stellt die so ziemlich einzig bekannte und einigermaßen verbreitete Alternative zur Chromium Technologie dar. Jede Adaption des Firefox Browsers wirkt sich daher positiv auf die Instandhaltung und Weiterentwicklung von Firefox aus und sorgt dafür, dass der Browser-Markt in keiner Monopolstellung Chromium basierter Browser mündet.
Info: Obgleich es sich bei Chromium um eine Open Source Technologie handelt, wird das Projekt hauptsächlich von Google gepflegt. Es besteht eine große Abhängigkeit aller Chromium basierter Browser zur Google LLC bzw. Alphabet Inc. im weiteren Sinne
Der „hide-in-the-croud“-Ansatz
Zuletzt möchte ich auf den „hide-in-the-crowd“ Ansatz des Mullvad Browsers eingehen, der übrigens auch beim Tor Browser verfolgt wird. Dabei wird das Ziel einer möglichst hohen Anonymität dadurch erreicht, dass möglichst viele Nutzer mit identischem Fingerprint unterwegs sind und dadurch aus Sicht von Fingerprinting Technologien als einzelner Nutzer aufgefasst werden. Denn das Thema Fingerprinting ist ein zweischneidiges Schwert und den eigenen Browser möglichst individuell zu konfigurieren, um für vermeintlich mehr Anonymität zu sorgen, endet häufig darin einen einzigartigen Fingerprint aufzuweisen und dadurch als Nutzer erst recht zugeordnet werden zu können.

Info: Dieser Ansatz sorgt dafür, dass die Anonymität der Nutzer des Mullvad Browsers bei steigenden Nutzerzahlen zunimmt, da dadurch gleichzeitig mehr identische Fingerprints auf Websites hinterlassen werden.
Alternativen zum Mullvad Browser
Persönlich bin ich kein großer Freund sogenannter „Privacy Browser“ oder generell der Vermarktung von Browsern als besonders sicher. Obgleich man schon sagen muss, dass alleine der heutige Stand des Default Firefox Browsers in unglaublich vielen Punkten einem Chrome vorzuziehen ist – aber wer (Google) Chrome nutzt, hat sowieso die Kontrolle über seine Daten verloren.
Ich würde an dieser Stelle allerdings noch zwei sehr ähnliche Technologien vorstellen, bevor ich anschließend kurz auf den Brave Browser eingehe. Es ist aktuell jedoch nicht absehbar, wie lange diese beiden Alternativen parallel zum Mullvad Browser noch sinnvoll sein werden. Zum jetzigen Zeitpunkt und bei meinem jetzigen Wissensstand sind sie zumindest erwähnenswert.
Arkenfox
Die erste nennenswerte Lösung nennt sich „Arkenfox“. Dabei handelt es sich um ein Template für den Firefox Browser, welches viele Browsereinstellungen hinsichtlich verbesserter Privacy vornimmt und abändert. Dies geschieht bei Firefox über die sogenannte user.js-Datei. Diese Datei wird im Arkenfox Repository von vielen Freiwilligen Privacy Enthusiasten gepflegt und weiterentwickelt.
Das Template ist äußerst restriktiv und erfordert initialen Aufwand, sich in die Dokumentation einzuarbeiten. Darin liegt aber auch ein großer Vorteil von Arkenfox, denn neben der aktiven Community und meiner Meinung nach gewissenhaften Entwicklung, existiert eine gute Dokumentation inkl. Erklärungssatz zu jeder einzelnen, veränderten Firefox Einstellung. Dies ermöglicht es Nutzern den Firefox Browser den eigenen Wünschen und Bedürfnissen entsprechend zu konfigurieren und eigenständig zwischen Funktionalität von möglichst vielen Websites und Anonymität abzuwägen.
Zu guter Letzt verfügt Arkenfox über einen hauseigenen Funktionalitätstest / Debug Mode: Sollten Websites nicht wie gewohnt funktionieren, bietet Arkenfox die Möglichkeit, mit wenigen Testläufen die relevanten Einstellungsparameter in der user.js ausfindig zu machen und auf Wunsch abzuändern. Das kann insbesondere im Zusammenhang mit verschiedenen Firefox-Profilen sinnvoll sein, bei dem ein Profil ggf. weniger restriktive Einstellungen hat, dafür aber problemlos auf allen Websites funktioniert und ein anderes Profil restriktiver ist, dafür aber nicht auf allen Websites funktioniert.
Info: Arkenfox ist eine Community aus Privacy-, Secruity- und Anti-Tracking-Enthusiasten, die sich der Weiterentwicklung der Firefox Browser-Settings hinsichtlich mehr Anonymität verpflichtet hat.
LibreWolf
Ein weiteres erwähnenswertes Projekt, mit dem ich persönlich allerdings weniger vertraut bin, ist LibreWolf. Man könnte sagen, dass LibreWolf und Arkenfox sich zueinander verhalten wie das Tor Project und der Tor Browser: LibreWolf ermöglicht technisch weniger versierten Nutzern die Vorteile der Arkenfox user.js mittels vorgefertigtem Browser zu verwenden– auch bei LibreWolf handelt es sich um einen Fork von Firefox (ebenso, wie beim Tor Browser & Mullvad Browser).
Da ich eher ein Freund von Verständnis, statt Funktionalität bin und mich gerne zumindest etwas tiefer in die technischen Hintergründe einlese, habe ich keine persönliche Erfahrung mit LibreWolf – dafür allerdings mit Arkenfox. Bemerkenswert an dieser Stelle ist ein recht aktueller Kommentar des Besitzers des Arkenfox Repositories, welcher lt. eigener Aussage neben Entwicklungen beim Tor Project und Firefox hinter den Kulissen auch bei der Entwicklung von LibreWolf mitgewirkt hat: Arkenfox und LibreWolf seien heutzutage nahezu identisch und die Auflistung der Unterschiede von AF (Arkenfox)/LW (LibreWolf) zum Mullvad Browser würde in einer kurzen Liste enden.
„If anyone wants a detailed breakdown of differences between AF/LW (which are almost identical these days) vs Mullvad Browser, then it's a short list. It's just a slightly different space – each with pros and cons. If it's not OK to do that here, mods please say so – I don't want to create noise” – Besitzer des Arkenfox Repositories erläutert Unterschiede zwischen Arkenfox und LibreWolf in einer Diskussion des Mullvad Browser Repositories (https://github.com/mullvad/mullvad-browser/issues/1#issuecomment-1495247827)
Brave
Ich muss gestehen, mich seit geraumer Zeit nicht mit dem Brave Browser befasst zu haben. In vergangenen Tagen war für mich persönlich Arkenfox die bessere Alternative, was womöglich aber auch an meiner persönlichen Präferenz liegt, sich die einzelnen Settings im Detail anzuschauen und Diskussionen zu Vor- und Nachteilen durchzulesen. Ich meine mich auch zu erinnern, dass Brave einigermaßen aggressiv promotet wurde und zumindest in den Anfangstagen und im Vergleich zu alternativen Technologien dabei keinen guten Schnitt gemacht hat.
Heutzutage scheint der Brave Browser eine nennenswerte Alternative zu sein und wird bei den Privacy Guides als einer von zwei empfehlenswerten Desktop-Browsern genannt – allerdings erst an zweiter Stelle und nach Firefox. Aber alleine die Tatsache bei Privacy-Guides genannt zu werden, der vermutlich bekanntesten Website zum Thema Privacy und Anlaufstelle für viele Interessierte, sagt viel über die Qualität des Brave Browser aus.

Mich persönlich stört an Brave allerdings nach wie vor die Chromium Basis, deren Existenz alleine zur Monopolstellung der Chromium-Technologie beiträgt. Sogar unter der Annahme, dass Brave hinsichtlich Privacy Aspekten ähnlich effizient ist (wofür eine Nennung bei den Privacy Guides spricht), wie der Mullvad Browser oder LibreWolf, würde ich persönlich stets zu den beiden letzteren greifen oder eine Empfehlung dafür aussprechen.
Wie relevant sind bestehende Alternativen noch?
Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich der Effekt der Einführung des Mullvad Browser nicht endgültig abschätzen. Ein recht naheliegender Gedanke bei einer Kooperation zwischen zwei der bekanntesten Privacy Institutionen im Internet (Mullvad & Tor Project) zum Thema Privacy Browser, wäre der Wegfall der Notwendigkeit von Alternativen. Die Zeit wird zeigen, ob der Mullvad Browser sich durchsetzen wird. Aber das Vertrauen in den Browser ist bereits kurze Zeit nach Release sehr hoch und sowohl Mullvad als auch das Tor Project verfügen über eine ausreichend große Userbase, um sich theoretisch auf mittel- bis langfristige Sicht durchsetzen zu können.
Eine ähnliche Ansicht vertritt auch der bereits genannte Besitzer des Arkenfox Repositories. Er hofft darauf, auf mittel- langfristige Sicht die Entwicklung bei Arkenfox zugunsten des Mullvad Browser einstellen zu können – zum jetzigen Zeitpunkt seien die beiden bloß ein kleines bisschen zu unterschiedlich.
„[…] long term I am hoping we can retire arkenfox (I can't speak for LW) and just use MB – but they're just a little too divergent for now” (der Besitzer des Arkenfox Repositories gibt seine Meinung zur zukünftigen Entwicklung von Privacy Browsern ab, https://github.com/mullvad/mullvad-browser/issues/1#issuecomment-1495998714)
Mullvad Browser, Arkenfox, LibreWolf oder doch ein anderer Privacy Browser?
Ich finde, auf diese Frage gibt es tagesaktuell keine richtige Antwort. Es hängt ein bisschen davon ab, wem man vertrauen möchte, wie bequem man es haben möchte und natürlich auf die aktuell verwendete Browser-Technologie.
Erkenntnisse nach Release des Mullvad Browsers:
- Spätestens nach dem Release des Mullvad Browsers sind andere Privacy Browser, wie Brave (Chromium Basis!) o. ä., mit diesem zu messen.
- Der Tor Browser bleibt nach wie vor die empfohlene Wahl im Bereich Anonymität, im Alltag / Office allerdings nicht wirklich zu gebrauchen.
Empfehlung für den technisch unversierten Nutzer:
- Ihnen empfehle ich ganz klar den Mullvad Browser. Der größte Vorteil daran ist, dass dieser Browser mit dem Mullvad VPN einhergeht und außerdem out of the box alle notwendigen Konfigurationseinstellungen mitbringt. Es ist durchaus vorstellbar, dass der Mullvad Browser zukünftig der Standard im Bereich Privacy Browser für den Alltagsgebrauch wird – die Zeit wird es zeigen.
- Ggf. wäre auch LibreWolf etwas für Sie. Allerdings habe ich damit wie gesagt keine Erfahrungen gemacht. Vertraut man dem Besitzer von Arkenfox, unterscheidet sich LibreWolf inzwischen kaum von Arkenfox und Arkenfox ist meiner Meinung nach sehr empfehlenswert – allerdings nicht für technisch unversierte Nutzer. Aber Achtung: Im Gegensatz zum Mullvad Browser kommt LibreWolf nicht mit integriertem VPN einher.
Empfehlung für den technisch versierten Nutzer:
- Ehrlich gesagt würde ich auch Ihnen den Mullvad Browser empfehlen. Ggf. können Sie besser abschätzen, ob der Mullvad Browser, die Arkenfox user.js oder LibreWolf am besten Ihrem Threat Level entspricht. Allerdings gehe ich davon aus, dass sich der Mullvad Browser, aufgrund der Kooperation mit dem Tor Project und der bestehenden Nutzerzahl aus VPN-Kunden, denen der Mullvad Browser fortan natürlich mit empfohlen wird, auf lange Zeit als Standard durchsetzen wird.
- Alternativ können Sie sich mit Arkenfox und der user.js beschäftigen. Die Einstellung wird etwas Zeit in Anspruch nehmen und vermutlich werden Sie nicht um mehrere Firefox Profile herumkommen (was m. M. n. aber recht sinnvoll und bequem ist) – Arkenfox funktioniert inzwischen aber wirklich, wirklich gut und bei Problemen gibt es den „Debug Mode“, mit dem ich bisher noch jede Website-Funktionalität zum Laufen bringen konnte.
- Wer es ganz genau wissen möchte, dem empfehle ich, sich ausgehend von einem recht aktuellen Diskussionsbeitrag des Besitzers des Arkenfox Repositories zu Unterschieden zwischen Mullvad Browser, Arkenfox und LibreWolf näher mit dem Thema auseinanderzusetzen und eine individuelle Lösung entsprechend des eigenen Threat Levels zu wählen.
Weiterführende Informationen
- https://www.privacyguides.org/en/desktop-browsers/
- https://mullvad.net/en/browser
- https://mullvad.net/en/browser/hard-facts
- https://github.com/mullvad/mullvad-browser/issues
- https://news.ycombinator.com/item?id=35421034
Kernaussagen (KI-generiert, nachbearbeitet)
Der Mullvad Browser ist ein neuer, datenschutzfreundlicher Browser, der sich besonders gut für Nutzer eignet, die Wert auf Anonymität legen.
Viele VPNs bieten nicht wirklich Anonymität, da sie Daten an Behörden oder Werbetreibende weitergeben können.
Tor ermöglicht Anonymität im Internet, indem Daten über ein Netzwerk von Freiwilligen geleitet werden, sodass es schwer ist nachzuvollziehen, welche Websites jemand besucht.
Der Mullvad Browser bietet eine gute Balance zwischen Anonymität und Benutzerfreundlichkeit, da er viele Vorteile des Tor Browsers hat, aber gleichzeitig einfacher zu benutzen ist.
Der Mullvad Browser ist eine gute Alternative zu Chromium-basierten Browsern wie Chrome, da er auf Firefox basiert und so zur Vielfalt im Browser-Markt beiträgt.
Arkenfox und LibreWolf sind Firefox-Varianten, die für mehr Privatsphäre optimiert sind. LibreWolf ist einfacher zu benutzen, während Arkenfox mehr Anpassungsmöglichkeiten bietet.
Der Mullvad Browser könnte sich als Alternative zu anderen Privacy-Browsern durchsetzen, da er von vertrauenswürdigen Institutionen entwickelt wird und bereits viel Vertrauen genießt.
Der Mullvad Browser ist aktuell der beste Privacy-Browser für den Alltag, da er einfach zu bedienen ist und bereits alle notwendigen Einstellungen enthält.


gekennzeichnet.


Was halten Sie vom Iron Browser? Den nutze ich aktuell und der scheint mir auch ganz ordentlich gemacht zu sein.
Sagt mir ehrlich gesagt nichts und auf Anhieb finde ich auch keine relevanten Beiträge oder Diskussionen zu dem Browser im Vergleich zu bekannteren Privacy Browsern. Die Argumente auf der Hersteller-Website unter "Warum Iron?" sind ziemlich oberflächlich und etwas unterkomplex. Der Browser scheint außerdem auf Chromium zu basieren, was zwar nicht direkt etwas über die Tauglichkeit hins. Privacy aussagt, für mich persönlich aber ein hartes Ausschlusskriterium ist.
EIne gute Privacy-First-Alternative zu den üblichen Einsteiger-freundlichen Browsern oder komplizierten Skripten ist meiner Meinung nach Vivaldi: https://vivaldi.com/features/privacy-security/
Was halten Sie davon?
P.S. Chromium wird ab Werk von Vivaldi gezähmt
Nicht viel. Grundsätzlich fasst es diese Formulierung ganz gut zusammen: "Vivaldi is a privacy friendly, not privacy focused browser" – im Gegenteil zu den vorgestellten Browsern im Artikel.
Vivaldi ist durchaus bekannt, aber auch nur rein weiterer Chromium Browser (mit Marketingfokus auf Privacy) und keineswegs gleichzustellen mit Arkenfox, Mullvad Browser oder Tor Browser – und aufgrund der Chromium-Basis auch nicht mit Default Mozilla Firefox. Auf einer Skala zu Privacy Aspekten bei Browsern könnte man Vivaldi vmtl. irgendwo bei Brave anordnen und dem Nutzer die Qual der Wahl zwischen Brave und Vivaldi überlassen, welche Einbußen er zugunsten welcher Vorteile in Kauf nehmen möchte.
Der Mullvad Browser und die anderen im Artikel vorgestellten Browser verfolgen im Vergleich einen ganz anderen, übergeordneten Ansatz hins. Privacy. Dabei muss der Nutzer auch keine Wahl zwischen etwas treffen, sondern nur die Entscheidung einen Browser mit möglichst viel Privacy zu verwenden. Es steht zwar bei allen Herstellern "Privacy Browser" auf der Website, aber ein Fiat Punto und Formel 1 Auto sind auch beides "Autos", die Personen von A nach B befördern können, motorisiert sind und über 2 Achsen bewegt werden – beide können als Autos bezeichnet werden, ein Vergleich ist dennoch sinnlos. Ebenso wird Vivaldi Verbindungen zu Websites aufbauen und diese darstellen, wie jeder andere Browser auch – vergleichen lassen sie sich jedoch nicht wirklich. Und beim Punkt Privacy verhalten sich die vorgestellten Browser im Artikel zu allen restlichen Browsern auf dem Markt eben wie ein Formel 1 Auto im Vergleich zum Fiat Punto.
PS: Chromium bleibt leider Chormium und fördert die Monopolstellung. Besser verzichten, statt zähmen 🙂
Hallo Herr Hammer, vielen dank für den sehr guten Artikel. Mich würde ihre Meinung bezüglich des besten Browsers zum Datenschutz auf einem Android Handy interessieren, da hier weder Mullvad noch LibreWolf oder Arkenfox erhältlich sind. Empfehlen Sie dann Brave (möglicherweise mit startpage als suchmaschine um die anonyme ansicht nutzen zu können)oder einen anderen Browser?
Meines Wissens nach wie man bei Brave nämlich immer noch durch den fingerprint von vielen Seiten wiedererkannt.
Würden Sie außerdem auf dem handy einen VPN wie Proton oder Mullvad empfehlen oder