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Ein Smartphone ohne Apple und Google: Testbericht des Fairphone mit /e/OS auf Android-Basis

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Seit kurzem nutze ich ein sogenanntes Fairphone mit Google-freiem Betriebssystem. Keine Daten mehr für Google und dennoch eine gute Funktionalität. Auch Standard-Apps von Drittanbietern funktionieren. Einen Sensor zum Entsperren mit dem Finger gibt es obendrauf. Mein Testbericht.

Das Fairphone ist eine Art ökologisch orientiertes Smartphone. Es ist so konzipiert, dass man es leicht öffnen und viele Reparaturen auf vorgesehene Weise vornehmen kann. Auch wird kein eigenes Netzteil mitgeliefert. Stattdessen kann ein herkömmliches USB-Kabel verwendet werden. Das Ladegerät kann bei Bedarf mitbestellt werden, falls man das USB-Kabel nicht sowieso schon hat.

Mir war der ökologische Aspekt des Fairphone nicht ganz so wichtig wie der Datenschutz. Umso schöner, dass diese Philosophie noch dazu kam.

Your data is YOUR Data.

Das ist das Motto des fairphone mit dem e/OS/ Betriebssystem.

Mein Fairphone kaufte ich mit einem Android Betriebssystem, aus dem alles, was man unter “Google” versteht, entfernt wurde. Es gibt keinen Google App Store, sondern einen eigenen. Der mitgelieferte App Store liefert viele Apps, darunter auch die bekannten, wie etwas Spotify oder Signal. Zudem kann man sich bei Bedarf den F-Droid App Store installieren.

Gekauft habe ich das Murena Fairphone FP3 (Fairphone 3) im eSolutions Shop. Einen Link muss ich hier gar nicht setzen. Denn wer das Fairphone haben will, gehört nicht zur Generation der klick- und tippfaulen Google-Geschädigten, die jegliche online Aktivität in zwei Sekunden erledigt haben müssen und lieber mit Daten bezahlen als eine Sekunde länger zu investieren.

Wer den Suchbegriff eSolutions Shop in einer Suchmaschine seiner Wahl eingibt, kommt zum Shop. Das Motto des Anbieters lautet: „deGoogled phones and services“. Das „e“ im Namen kommt wohl von der e-Foundation. Deren Schlagzeile lautet: „We build desirable, open source,
privacy-enabled smartphone operating systems. We are /e/“. (Als ich zuletzt den Satz “We are X” las, kam der Slogan von einer Hacker-Gruppe).

Das Bild oben im Artikel zeigt ein Bild des Produkts. Die Verpackung ist sehr schön und liebevoll gemacht. Sie besteht aus mehreren Schubern, die ineinander gesteckt sind. Hier ist einer davon:

In der Packung sind ein paar Aufkleber und Schildchen von “e”, was eine Anspielung auf das /e/OS ist. Dies ist das Betriebssytem auf Basis von Android, aber ohne Google Apps.

Das Motto des Fairphone sagt alles.

Die Packung enthält außerdem einen kleinen Schraubenzieher, der für hoffentlich nicht nötige Reparaturen verwendet werden kann. Im Gegensatz zu anderen Smartphones muss man das Fairphone nicht gleich wegschmeißen oder teuer reparieren lassen, wenn ein Standardteil kaputt ist. So das Versprechen, welches ich noch nicht überprüfen musste.

Inklsuive Reparaturwerkzeug und liebevollem Inlay.

Wie die Verpackung zeigt, ist das Motto „Your data is YOUR data“. Ihre Daten sind IHRE Daten. Bitte vergleichen Sie das mit Googles bekanntem Motto „Don’t be evil“, also „Tue nichts Böses“. Wer etwas für den Normalmenschen Selbstverständliches proklamieren muss, hat sie nicht mehr alle, finde ich. Es zeugt von Größenwahn und der Andeutung, man könne jederzeit etwas Böses tun, wenn man erklärt, nichts Böses tun zu wollen. Wer noch nicht überzeugt ist, dass Google böse ist, sollte sich mal The Billion Dollar Code auf Netflix ansehen (wie man sieht, habe ich nichts gegen amerikanische Anbieter an sich, aber wohl gegen weltumspannende Konzerne, die Daten an alle und jeden weiterverkaufen). Dort erfährt der Zuschauer, dass eine Berliner Firma für den Erfolg von Google Earth mitverantwortlich war, aber leider den Quellcode geklaut bekam, wie es scheint.

Das auf dem Smartphone zu erkennende Muster stammt von der Decke des Raumes, in dem die Aufnahme gemacht wurde!

Das Fairphone ist sehr robust gestaltet, wie ich finde. Es sieht wertig aus und ist kein Fliegengewicht. Die Kamera halte ich für sehr gut. Ich bin aber kein Kameratester. Was ich sagen kann: Auch bei sehr schlechten Lichtverhältnissen entstehen brillante Fotos. Das ist meine Meinung. Mir ging es beim Kauf nicht um die Kamera. Schön, dass sie meine persönlichen Erwartungen übertrifft.

Übrigens gibt es seit einiger Zeit das Fairphone 4 (FP4). Ich habe das FP3 erworben, weil es das FP4 noch nicht mit dem Google-freien Betriebssystem gab. Das FP3 ist für mich absolut schnell genug. Ich brauche kein neueres (besseres?) Telefon.

Das FP3 hat auf der Rückseite einen Fingerabdrucksensor. Mit ihm kann das Smartphone direkt durch Auflegen eines Fingers entsperrt werden. Die Fingererkennung funktioniert einwandfrei.

Der Akku läuft gut. Ich habe nicht genau darauf achtet, wie lange das FP3 mit einer Akkuladung läuft. Jedenfalls habe ich nicht das Gefühl, der Akku würde schnell alle sein. Die Akkulaufzeit ist einwandfrei für mich.

Screenshots können mit einem einfachen Zweitastengriff (Ein-Aus-Schalter plus mittlere Software-Taste auf dem Bildschirm unten) angefertigt werden. Hier ist ein Screenshot vom Startbildschirm.

Startbildschirm des Fairphone mit /e/OS nach Installation einiger Apps.

Zu sehen sind zahlreiche Apps, darunter auch einige bekannte Apps. Das Aussehen ist nur leicht anders als bei einem G***-Phone. Im Screenshot unten sind von links nach rechts die Symbole für Telefonieren, SMS Nachrichten, Browser und Kamera. Wenn der Spiegel sich mehr an Datenschutzregeln halten würde, würde ich die auch im Screenshot gezeigte App direkt empfehlen.

Funktionalität der Software

Das Fairphone bietet vorinstalliert bereits einiges an Standardfunktionen. Das E-Mail Programm ist schnell eingerichtet. Signal ist schnell installiert. Auch das Übertragen eines Signal-Kontos von einem anderen Smartphone ist schnell erledigt.

Die Covid-Apps lassen sich problemlos installieren. Ich habe CovPass, Corona-Warn App und die luca App drauf, ebenso die Covpasss Check App. Alle laufen einwandfrei. Der Barcode-Scanner funktioniert besser als auf meinem älteren Samsung Galaxy Modell, was ich nur wegen des Displays und der Datenschutzprobleme mit Google durch das Fairphone abgelöst habe.

Das Fairphone hat sich im täglichen Gebrauch bewährt.

Mein Testergebnis nach einem Monat.

Eine Navigationssoftware ist ebenfalls installiert, so dass man getrost auf Google Maps verzichten kann. Die Spiegel App gibt es im App Store ebenso wie viele andere Apps, die man sich so kennt.

Dinge wie ein Taschenrechner sind natürlich ebenfalls verfügbar. Es handelt sich eben um ein vollwertiges Smartphone und nicht um eine Krückenlösung. Wer ein Fairphone ohne Google erwirbt, erhält ein funktionsfähiges Smartphone ohne Google. Wie schön ist das denn?

Als Inhaber einer Dual SIM Karte auf zwei Smartphones (selbe Rufnummer) weiß ich nicht, ob es an der doppelten SIM Karte liegt oder an etwas anderes. Jedenfalls kann ich SMS verschicken. Sie kommen aber beim FP3 nicht an, sondern bei meinem anderen Handy mit selber Rufnummer. Immerhin klingeln beide Handys gleichzeitig. Der Weg zum Endgerät verkürzt sich so zunehmend.

Was wohl nicht funktioniert, ist die Spracheingabe mit Textumwandlung (Speech to Text). Wer sich hier einen Google Dienst installieren will, bekommt auch das. Ich will es nicht. Ehrlich gesagt, braucht man eine solche Spracheingabe mindestens im Berufsleben eigentlich nicht. Ordentliche Texte tippe ich am PC. Privatnachrichten können kurz ausfallen oder durch einen Anruf ersetzt werden. Früher ging es auch, dann sogar teilweise ganz ohne Telefon. Das ist nur meine Meinung. Wer unbedingt eine Spracheingabe braucht, aber Google nicht verwenden will, hat jetzt schon ein Problem, auch ohne Fairphone.

Fazit

Nach einem Monat Nutzungsdauer im Alltag kann ich ein sehr positives Fazit ziehen.

Bis auf ganz wenige Kleinigkeiten vermisse ich nichts. Ich brauche kein Google und das, obwohl ich tagtäglich sehr viel am Computer arbeite. Mit Suchmaschinen wie Ecosia oder DuckDuckGo bin ich sehr gut bedient und werde sicher weniger im Internet nachverfolgt als durch Google. Standard-Apps auch von Drittanbietern sind verfügbar. Immerhin handelt es sich um das Android Betriebssystem, eben nur ohne Google Apps.

Übrigens habe ich nicht getestet, ob das Fairphone Daten an Dritte schickt. Ich glaube es nicht. Selbst wenn es so wäre: Solange die Daten nicht an Google und andere Internetkonzerne gehen, ist die Wahrscheinlichkeit für mich extrem hoch, dass der Datenschutz sich im Vergleich zu Google-behafteten Smartphones ganz erheblich verbessert hat. Eine Advertising ID, wie sie Google und Apple ihren Kunden aufdrücken, vermute ich beim Fairphone mit /e/OS jedenfalls nicht.

Das Fairphone ohne Google verdient meine Empfehlung.

Das Fairphone macht mir Spaß. Ich bereue den Kauf nicht.

Jeder, der Datenschutz ernst nimmt und glaubwürdig sein will, sollte sich von Google so weit verabschieden, wie dies möglich ist. Mit dem Fairphone von eSolutions ist es möglich. Ich bekomme kein Geld für diese Empfehlung und auch keine sonstigen Vergünstigungen vom Anbieter des Fairphone.

Wer schreibt hier?
Mein Name ist Klaus Meffert. Ich bin promovierter Informatiker und beschäftige mich seit über 30 Jahren professionell und praxisbezogen mit Informationstechnologie. Im Jahr 2017 bin ich zum Datenschutz gekommen. Mir sind juristische Gegebenheiten nicht fremd. Ich versuche, meine Ergebnisse durch Betrachtung von Technik und Recht zu gewinnen. Das scheint mir jedenfalls absolut notwendig, wenn es um digitalen Datenschutz geht. Ich würde mich freuen, wenn Sie meinen Newsletter abonnieren.
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  1. Max Luber

    Danke für den Testbericht. Das FP ist bei mir in der engeren Auswahl.
    Mein altes Blackberry zappelt immer öfter – und ist mit Google-Apps ja auch nicht wirklich sauber.

    Hast Du ein Konto bei der eFoundation angelegt? Das bietet ja über die Cloud noch ein paar ganz sinnvolle features.

  2. User

    Alternativ GrapheneOS mit einem Google Pixel Handy. Entgegen der ersten Vermutung gelten gerade Pixel Handys als besonders sicher und Android OS sind Linux OS bei Handys vorzuziehen.

    Aus Privacy Sicht die bessere Variante, kommt mit einem vorkonfigurierten und sehr sicheren Browser daher und lässt bei Bedarf Google Play Services in einer Sandbox laufen.

    Würde technisch minimal affinen Leuten immer GrapheneOS empfehlen. Für ein out oft the box Handy ist das Fairphone aber auch ziemlich gut.

    • Dr. DSGVO

      OK, guter Hinweis. Ich verstehe es so, dass bei einem Google Pixel Smartphone mit GrapheneOS die Hardware von Google stammt und das Betriebssystem ohne Datentransfers zu Google’s Gunsten auskommt.

      Dann gibt es damit schon mindestens zwei Alternativen (ich habe GrapheneOS allerdings nicht geprüft):
      1) Fairphone als fertig nutzbares Smartphone
      2) Google Pixel o.ä. mit GrapheneOS für Technikaffine

  3. W. Wysocki

    Danke auch für den Testbericht,
    geplant ist der Kauf eines Fairphone 3.
    Der offizielle Support beantwortet die Frage, ob die CovPass-App zu nutzen ist, mit dem Konjunktiv. Ihrer Erfahrung nach funktioniert es problemlos? Da der digitale Nachweis immer und überall wichtig ist und wichtiger wird, wäre es ein Ausschlusskriterium.
    Vielen Dank

    • Dr. DSGVO

      Ja, die CovPass App funktioniert auf meinem FP3 einwandfrei. Gerade noch mal getestet, aber auch zuvor schon geprüft.

      • Anonymous

        Vielen Dank für die Rückmeldung!

  4. Anonymous

    iodéOS ist auch ziemlich interessant. Das ist ein Fork von LineageOS. Als Alleinstellungsmerkmal hat iodéOS einen Werbeblocker direkt ins Betriebsystem integriert und man kann sämtliche Verbindungsaufbau der Apps anschauen. Fairphone 3 wird da auch unterstützt.

  5. Sascha

    Habe mir vergangenes Jahr ein Nexus5 geholt, um Ubuntu Touch zu testen. Funktierte schön, nur derzeit keinen nutzbaren E-Mail Client (in der Tat! Der aktuell verfügbare Client ist in der Testphase und vom Entwickler als noch nicht sicher beschrieben).

    Erfahrungen mit Cyanogen hatte ich bereits. Auf der Suche nach den datenschutzfreundlichsten Alternativen habe ich dann auch auf /e/OS gesetzt. Funktioniert alles reibungslos. Ich nutze eh wenige Apps, die meisten sind über den Store zu installieren. Einige wenige nicht, da kann man sich die APK über entsprechende Webseiten ziehen (obwohl ich mich frage, ob diese APK nicht irgendwie manipuliert sein können – kennt sich hier jemand damit aus?).

    Wer wenig Geduld hat, sollte sich nicht das Nexus5 holen – es ist definitv nicht mehr das schnellste. Was den Vorteil hat, dass ich eher weniger Zeit am Smartphone verbringe 😉

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