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FLoC: Google’s Versuch Cookies abzuschaffen (Federated Learning of Cohorts)

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Google möchte zukünftig auf Cookies verzichten, so die Botschaft. Ein neues Konzept soll die Lücke schließen, um dennoch in der Lage zu sein, das Verhalten von Nutzern zu analysieren und sie mit Werbung und anderen gewinnbringenden Inhalten zu bespielen. Was ist FLoC, und tut es weh?

Einleitung

Federated Learning of Cohorts heißt ein neue Ansatz von Google. Übersetzt heißt das vielleicht Gemeinschaftliches Erlernen von Kohorten. Hier geht es um das Erkennen von Nutzern mit gemeinsamen Interessen (Clustern).

FLoC ist ein browserbasierter Ansatz. Der Browser muss also funktionell aufgestockt werden, damit er seinen Nutzer kennenlernen kann. Sicher wird Google seinen Chrome Browser entsprechend aufrüsten. Ob andere Hersteller mitziehen, wird sich zeigen. Ich glaube und hoffe, dass dies nicht passieren wird. Es gibt bereits Vorschläge von Nutzern, nicht nur im Browser, sondern auch auf anderen Plattformen einen Lernmechanismus zu etablieren.

Viele reden davon, dass sogenannte Third Party Cookies durch FLoC abgelöst werden sollen. Damit ist schon der erste Denkfehler gemacht. Ob ein Cookie ein Erstpartei- oder Drittpartei-Cookie ist, wird nämlich meist nur auf technischer Ebene festgestellt. Das ist falsch, weil die Datenschutzsicht die hier entscheidende ist.

Beispiel: Google Analytics hatte früher technische Third Party Cookies verwendet. Die Merkmale waren:

  • Cookies werden von Google Analytics erzeugt
  • Diese Cookies lebten in der Domäne google-analytics.com
  • Auf jeder Webseite, die Google Analytics integrierte, wurden diese Cookies beim Abruf von Google Analytics vom Endgerät des Nutzers abgerufen und an Google geschickt
  • Google Analytics wertete diese Cookies aus

Nun zum aktuellen Google (Universal) Analytics, welches technische First Party Cookies verwenden. Die Merkmalen sind:

  • Cookies werden von Google Analytics erzeugt
  • Diese Cookies leben in der Domäne der aktuell besuchten Webseite
  • Webseiten, die Google Analytics integrieren, wissen nichts von den Cookies anderer Webseiten, die Google Analytics integrieren
  • Google Analytics wertet diese Cookies aus

Die entscheidende Gemeinsamkeit ist, dass Google Analytics Marketing-Cookies erzeugt und ausliest. Alles andere ist datenschutzrechtlich zweitranging, wenngleich nicht unbedeutend.

Ich empfehle ein Studium meines Artikels zu Cookies. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie dort etwas Neues lesen werden.

Offenbar sind technische First Party Cookies datenschutzrechtlich besser als technische Third Party Cookies. Wie man am obigen Vergleich der früheren und heutigen Google Analytics Version sehen kann, handelt es sich um fachliche Third Party Cookies, weil Google die Cookies setzt und ausliest. Ein gültiger AVV mit Google würde dies ändern, aber das Einwilligungserfordernis nicht verschwinden lassen, weil die Google Analytics Cookies technisch nicht notwendig sind.

Für beide Cookie Varianten ist also eine Einwilligung erforderlich. Das kann man technisch und rechtlich wie folgt ableiten:

  1. Google Analytics setzt Cookies und liest sie auch selbst aus (technisch objektiv beweisbar)
  2. Google Analytics kann auch ohne Cookis betrieben werden (technisch objektiv beweisbar)
  3. Art. 5 Abs. 3 der ePrivacy Richtlinie folgt, dass das Auslesen von Informationen aus dem Endgerät des Nutzers nur nach Einwilligung erlaubt ist, sofern diese Informationen technisch nicht notwendig sind
  4. § 15 Abs. 3 des TMG ist konform zur e.g. ePrivacy Richtlinie auszulegen, wenn es um Marketing-Cookies geht. Dies stellte der BGH im Planet49-Urteil im Jahr 2020 fest.

Zurück zu FLoC: Google möchte damit also Cookies vermeiden. Es spielt, wie gezeigt, keine wesentliche Rolle, ob wir hier über technische First Party oder Third Party Cookies sprechen.

Funktionsprinzip von FLoC

Während Sie im Internet surfen, bildet Ihr Browser ein Verhaltensprofil von Ihnen. Ihr Browser versucht herauszufinden, was Ihre Interessen und Gewohnheiten sind. Sie bekommen Etiketten verpasst, wie etwa

  • Interessiert sich für Katzen
  • Interessiert sich für Tischtennis
  • Ist männlich
  • Ist mittleren Alters
  • Kauf gerne online ein
  • Ist auf sozialen Medien aktiv

Welche Etiketten genau vergeben werden, scheint niemand zu wissen, da der Algorithmus von Google diese selbst bestimmt, ohne etwas über deren Semantik zu wissen.

Aus dieser Etikettierung Ihres Selbst werden Sie Interessengruppen zugeordnet. Das sind Gruppen von Personen, die ähnlich zu Ihnen sind. Jede Gruppe gleicht einem ähnlichen Profil.

Ihr Profil kennt nur Ihr Browser. Er teilt aber Werbetreibenden mit, welchen Interessengruppen Sie angehören. Die Werbetreibenden können Sie dann mit individueller Werbung beglücken. Dies wird auch als Targeting bezeichnet.

Kohorten

Abhängig von Ihrer Reise durch das Internet werden Sie einer oder mehreren Kohorten zugeordnet. Dazu wird u.a. die Browser-Historie, also die Liste der besuchten Webseiten herangezogen. Es ist auch möglich, das die thematischen Schwerpunkte besuchter Seiten berücksichtigt werden. Auch die von Ihnen ausgeführten Aktionen, etwa das Legen eines bestimmten Produkts in den Warenkorb eines online Shops oder das Suchen nach einem bestimmten Begriff, können einfließen.

Interessengruppen

Eine Interessengruppe wird verwendet, um Anzeigen zielgerichtet auszuspielen. Anstatt dass eine Anzeige wie bisher für Nutzer X ausgespielt wird, weil dieser über Cookies und andere Mechanismen verfolgt wurde, wird eine Anzeige nun für eine Gruppe von Nutzern als geeignet angesehen und ausgespielt. Die Datenschutz-Idee dahinter ist, dass der Einzelne in der Masse (im positiven Sinn) untergeht und somit keine Datenschutzprobleme mehr vorhanden seien. Diese Masse von Nutzern wird auch Audience genannt.

Eine Interessensgruppe wird durch eine Kohorten-Identifikation bestimmt. Diese wird in englisch als Cohort ID bezeichnet und kann beispielsweise den Wert 43A7 haben.

Die Bedeutung einer Interessensgruppe ist nicht per se feststellbar. Dies kann man sich so vorstellen, wie ein Gehirn. Wenn Sie einen Blick in Ihr Gehirn werfen könnten, mit all den Neuronen und Verästelungen, dann wüssten Sie nicht, welche Logik in Ihrem Gehirn verdrahtet ist und was Ihr Verhalten ist. Vielmehr kann man wohl nur indirekt die Bedeutung einer Kohorte ableiten, indem man sich beispielsweise die Werbeanzeigen ansieht, die ein Mitglied einer Kohorte zu sehen bekommt. Andererseits muss FLoC für Werbetreibende die Möglichkeit bieten, sich eine Kohorte rauszusuchen, die beispielsweise zum Thema Nahrung passt. Hier widersprechen sich Datenschutz und Werbenutzen. Dieses Problem halte nach meinem aktuellen Wissensstand ich für unlösbar.

Um festzustellen, wie ähnlich sich Nutzer sind, wird das SimHash-Verfahren verwendet. Dieses Verfahren wird von Google bereits eingesetzt, um doppelte Inhalte, also quasi gleiche Webseiten erkennen und negativ bewerten zu können.

Wer definiert eigentlich Interessengruppen? Dies wird im sogenannten FLEDGE Experiment von Google beschrieben, der Teil des TURTLEDOVE Ansatzes ist. Genannt werden vor allem drei Gruppen von Akteuren.

Ein Werbetreibender kann eigene Interessengruppen definieren. Eine solche Gruppe wird aus Interessen gebildet, von denen der Werbetreibende denkt, dass Personen mit diesen Interessen das beworbene Produkt gut finden und eher kaufen würden als andere.

Werbetreibende sind Unternehmen, die Werbung platzieren möchten. Diejenigen, die Werbung ausspielen, werden Publisher genannt. Ein Publisher verkauft Werbeplätze auf einer Webseite oder in einer App. Auch Publisher können eigene Interessengruppen definieren.

Google nimmt an, dass Publisher, denen eine Interessengruppe gehört, von anderen dafür bezahlt werden, dass diese anderen die Audience der Interessengruppe bespielen dürfen (Quelle: FLEDGE).

Auch Technologiefirmen, die Werbeprodukte anbieten, sollen eigene Interessengruppen erstellen können. Im Prinzip kann jeder solche Gruppen erstellen, nur sieht Google vor allem diese drei Parteien als Nutznießer an.

Auktionen

Auf dem Endgerät des Nutzers, also auf Ihrem Smartphone, Ihrem Tablet, Ihrem Notebook oder Ihrem PC werden Auktionen abgehalten. In einer Auktion bieten Werbetreibende darum, wer Sie mit Werbung beeinflussen darf. Der Auktionserlös geht an Publisher und an Google.

Auswahl der Werbung

Auf Ihrem Endgerät wird nach erfolgter Auktion ermittelt, welche Werbung Ihnen aufgrund Ihrer Interessen und des Auktionsergebnisses angezeigt werden wird.

Analog soll es möglich sein, dass dem Nutzer passende Inhalte angezeigt werden, also keine Werbung, sondern echte Inhalte.

k-Anonymität

FLoC basiert auf einem Datenschutzmodell namens k-Anonymität. Dieses Modell basiert auf anonymisierten Datensätzen. k-anonym heißen Daten, wenn ein Einzelner von mindestens k-1 anderen Einzelnen ununterscheidbar ist. Der Parameter k steuert also den Anonymitätsfaktor.

Auf Wikipedia wird folgendes anschauliches Beispiel für eine k-Anonymisierung gegeben:

Quelle: Wikipedia

Aus diesen anonymisierten Datensätzen können dann Äquivalenzklassen gebildet werden, die analog zu Interessengruppen sind:

Quelle: Wikipedia

Wie man an diesem Beispiel auch sehen kann, kann die Art der hoffentlich sehr gut anonymisierten Information beliebig sensibel.

Retargeting

Genau wie heuzutage ist ein Retargeting immer noch möglich. Dazu bedurfte es bisher keiner Cookies und bedarf auch zukünftig keiner Cookies und auch keines FLoC Ansatzes. Retargeting bezeichnet das Ausspielen von Werbung für ein Produkt, zu welchem der Nutzer bereits eine Nähe entwickelt hat, beispielsweise indem er zuvor eine Webseite des Produkt-Anbieters besucht hatte.

Mit FLoC ist es permanent möglich, Sie zu überwachen und Ihre Interessen bestmöglich kennenzulernen. Bisher war diese Überwachung nur punktuell möglich, nämlich beim Besuch einer Webseite, die ein Tool wie Google Analytics oder DoubleClick einsetzte. Übrigens schenken viele Webseiten die Daten ihrer Nutzer (rechtswidrig) an Google, weil eingebundene YouTube Videos den DoubleClick Tracker einfach mit laden, was technisch offensichtlich nicht notwendig ist.

Kritik an FLoC

Cookies werden nicht verschwinden.

Zunächst wird es Cookies eine ganze Weile lang weiter geben, und zwar nicht nur technisch notwendige Cookies, sondern auch Marketing-Cookies. Bei technischen First-Party Cookies können diese beiden Klassen von Cookies nicht so einfach von einander unterschieden werden (jedenfalls nicht von einem Browser).

Dies bedeutet, dass der Nutzer noch mehr nachverfolgt wird als bisher schon. Nämlich durch Cookies und durch FLoC im Browser. Mehr online Überwachung geht kaum.

FLoC ist ein Verfahren zu Lasten des Nutzers.

Jede Person soll ihren eigenen Browser bereitstellen, damit der eigene Browser für Google Arbeit verrichten. Noch schlimmer: Diese Arbeit, die auf dem eigenen System stattfindet, weil Google es so möchte, besteht darin, sich selbst als Inhaber des Systems und des Browsers ausforschen zu lassen.

Dies alles soll kostenfrei geschehen, also ohne Bezahlung der Person. Vielmehr möchte Google diese wertvollen Daten von Ihnen kostenfrei erhalten, um sie selber maximal zu monetarisieren. Das klingt schon ziemlich befremdlich.

Es geht aber noch schlimmer: Jede Person soll das eigene Endgerät und den eigenen Strom dafür bereitstellen, dass andere in einer Auktion auf dem Endgerät der Person mitbieten und so entscheiden können, wer den Zuschlag bekommt, die Person mit Werbung beeinflussen zu dürfen, die zuvor auf dem Endgerät der Person als am besten geeignet ermittelt wurde, damit die Person am besten etwas kauft.

Die Anonymität von FLoC kann nicht vollständig garantiert werden.

Es wäre fatal, wenn eine De-Duplikation, also ein Rückführen einer Interessensgruppe auf eine einzelne Person möglich wäre. Beispielsweise könnte jemand (Publisher, Werbetreiber, Tech-Firma, Sie, ich, Darknet-Shop-Betreiber, Hacker) eine Interessensgruppe definieren, die auf Drogenabhängige oder Personen, die gerne Videos mit verbotenem Inhalt sehen, abzielt.

Zuerst ist man gezwungen, dem Browser-Anbieter zu vertrauen, der einem den FLoC Ansatz aufzwingt. Dies ist zuerst Google, nicht gerade bekannt für besonders datenschutzfreundliche Geschäftspraktiken.

Als nächstes muss sichergestellt werden, dass Angreifer die Schwächen des Ansatzes nicht ausnutzen können. Dies scheint aber möglich, wie Google selbst zugibt (“Ad networks can still correlate requests using timing attacks, and the publisher’s ad network can learn about which interest group the winning ad was targeted at if the advertiser’s ad network cooperates with them“).

Zum Dritten muss sichergestellt sein, dass die IP-Adresse des Nutzers nicht in Verbindung mit einer Anzeige oder einer Interessensgruppe (auf der die Anzeige basiert) gebracht werden kann, die auf einer Webseite angezeigt wird, die der Nutzer gerade besucht. Dies erscheint recht schwierig. Ich vermute aktuell, dass dieses Problem nicht lösbar ist, die IP-Adresse einer Person also generell mit einer Anzeige, die aufgrund von FLoC-Interessensgruppen zur Person ausgewählt würde, in Verbindung gebracht werden kann. Sollte ich hier Recht haben, ist das ein Erledigungsgrund für FLoC. FLoC wäre damit komplett hinfällig, weil potentiell in erheblichem Maße rechtswidrig, weil in erheblichem Maße in die Persönlichkeitsrechte einer Person eingegriffen werden könnte. Auch darf der Browser Fingerprint eines Nutzers nicht in Verbindung mi einer Anzeige gebracht werden können, weil dieser eine Personenzuordnung erlaubt.

Google entgegnet dem dritten Problem mit einem opaque IFRAME. Über diesen Mechanismus soll eine Werbeanzeige so ausgespielt werden, dass der Inhaber der Werbeanzeige nicht weiß, auf welcher Webseite seine Werbung angezeigt wurde. Google gibt selbst zu, dass dieses Ziel nur schwer erreichbar ist, möglicherweise gar nicht. Zur Sicherstellung der Privatheit eines Nutzers, der eine Anzeige sieht oder auf sie klickt, ist meiner technischen Einschätzung nach eine Modifikation des Browsers erforderlich. Diese Modifikation ist an sich möglich, weil Google den Chrome-Browser nach Belieben anpassen kann. Sollte hier allerdings auch nur eine kleine Sicherheitslücke existieren, wäre dies eine Katastrophe für FLoC. Bekanntlich existieren selbst in bewährten und seit Jahrzehten entwickelten Systemen wie Windows noch Sicherheitslücken. Man müsste also auch in diesem Punkt Google vertrauen und hoffen, dass Google besser beim ersten Mal gleich absolut alle Sicherheitslücken eliminiert hat.

Das Gesamtkonzept, um eine Verknüpfung einzelner Nutzer mit ausgespielten Werbeanzeigen zu verhindern, wird als Privacy Sandbox bezeichnet. In einer solchen Sandbox existieren verschiedene Mechanismen, um den Nutzer gegenüber Werbetreibenden so anonym wie nötig werden zu lassen, um einen Personenbezug auszuschließen. Dies wurde bisher von Google nach meiner Kenntnis noch nicht versucht. Die Kompetenz von Google, Nutzer zu anonymisieren, darf angezweifelt werden. Ein angedachter vertrauenswürdiger Hub oder Proxy jedenfalls ist keine objektiv vertrauenswürdige Maßnahme, weil dem Betreiber einer solchen anonymen Drehscheibe kein uneingeschränktes Vertrauen entgegengebracht werden kann.

Mit FLoC findet eine permanente Überwachung des Nutzers statt.

Der Browser kann mit FLoC dauernd und sehr tiefgehende Erkenntnisse über jede Person gewinnen und diese Erkenntnisse mit anderen teilen. Es mag sein, dass personenbezogene Daten des Einzelnen nicht direkt weitergegeben werden. Fest steht allerdings, dass der Einzelnen mit FLoC nun noch besser beeinflusst werden kann. Viele sagen: “Ich habe nichts zu verbergen”. Erstens glaube ich, dass das für so gut wie niemanden zutrifft. Viele haben anscheinend nicht ausreichend Phantasie. Zweitens ist jeder Mensch beeinflussbar, und zwar umso besser, je eher man diesen kennt. In den USA führte dies dazu, dass die unentschlossenen Wähler mit Hilfe von Daten von Facebook Nutzern erkannt und manipuliert wurden. Wahrscheinlich deswegen wurde Donald Trump gewählt (siehe Cambridge Analytica).

FLoC funktioniert nur in Google Browsern.

Dies ist keine direkte Kritik, sondern zunächst eine Feststellung, die sich aus dem Problem mit der Anonymität ableiten lässt. Jedenfalls könnten andere Browser-Anbieter FLoC in der Praxis nicht unterstützen. Theoretisch ginge dies, dann stellt sich aber die Frage, warum ein Browser-Anbieter dies tun soll. Mir fällt als Motivation nur die Bezahlung durch Google ein, was kein positives Signal Richtung Nutzer aussenden würde.

Werbung als Hauptmotiv.

Als ersten und zweiten Nutzen von FLoC sieht Google das Ausspielen von Werbung und das Ermitteln von Personen, die bestmöglich konvertieren. Als zusätzlicher Nutzen wird die Möglichkeit genannt, passgenaue Inhalte auszuspielen. Die Suchmaschine würde sozusagen von einer Webseite wie google.de hin zum Browser des Nutzers verschoben. Ich habe das Gefühl, dass es nicht möglich sein wird, lediglich den eher positiven Aspekt, passgenaue (neutrale) Inhalte zu erhalten, zu aktivieren, sondern halte es für wahrscheinlich, dass Werbung akzeptiert werden muss.

Opportuner Ansatz.

Es ist nur eine Unterstellung: ich glaube, dass Google keine andere Wahl sieht, als zukünftigen Strafen zu entkommen. Außerdem scheint Google jetzt – anders als vor wenigen Jahren – in der Lage, Nutzer auch ohne Cookies wirksam zu tracken. Konkurrenten von Google scheinen nicht so weit zu sein, weshalb FLoC für Google ein Wettbewerbsvorteil zu sein scheint. Andererseits ist Apple als großer Konkurrenz in letzter Zeit betont datenschutzfreundlich.

k-Anonymität ist angreifbar.

Wie der Wikipedia-Artikel zur k-Anonymität darlegt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Individuen aus einer Menge von anonymisierten Datensätzen herauszufischen. Sind Details zu einer Person bekannt, kann auf weitere Informationen zur Person geschlossen werden. Beispielsweise kann anhand des Alters, des Geschlechts und des ungefähren Wohnorts auf mögliche Krankheiten geschlossen werden, wenn die anonymisierten Äquivalenzklassen diese Informationen enthalten.

Meine weitere Recherche ergab, dass es beeindruckende Fälle aus der Praxis gibt. Eine Forschergruppe konnte im Jahr 2018 zeigen, dass eine De-Duplikation von Facebook Nutzern unter Heranziehen der Facebook Custom Audience möglich ist. Nur weil die Forscher so nett waren, ihre Ergebnisse feundlich zu teilen, hatte Facebook die Sicherheitslücke geschlossen.

Endgerät jeder Person ist angreifbar.

Dank FLoC wird jeder Computer zum Datenschatz. Für Hacker lohnt es sich zukünftig noch mehr, in Ihr System einzudringen. Als Gewinn winkt eine genaue Verhaltensanalyse Ihrer Person, nämlich mindestens in Form von FLoC IDs, die Interessensgruppen und somit Gewohnheiten und Vorlieben entsprechen. Es wäre sogar denkbar, dass eine Schadsoftware Ihren Browser derart manipuliert, dass dieser die Analyse-Ergebnisse Ihres Verhaltens vor Anonymisierung an den Angreifer schickt. So leicht war es noch nie, jemanden auszuspionieren.

Datenschutzkonform?

Es ist fraglich, ob das Nutzen personenbezogener Daten zum Zwecke der Generierung (angeblich) anonymisierter Daten ohne Einwilligung erlaubt ist. Hierzu habe ich keine abschließende Meinung und will diesen Punkt nur erwähnen, weil Google dies selbst thematisiert hatte.

Zu einigen Kritikpunkten habe ich eine Anmerkung auf dem GitHub der Google Entwickler hinterlassen. Weil die anderen Nutzereingaben dort rege diskutiert werden, gehe ich davon aus, dort eine Rückmeldung zu erhalten.

Sind Sie betroffen?

Wenn Sie wissen möchten, ob Ihr Browser Sie zu einem Teil einer Kohorte macht und Ihren Rechner arbeiten lässt, damit Google und seine Partner den Umsatz steigern können, machen Sie den Am I FLoCed (“wurde ich ge-FLoC-ed”) Test:

Der Test startet, nachdem Sie einen Button drücken. Dann prüft die Webseite, ob Ihr Browser der Google Chrome ist und die Version 89 oder höher vorliegt. Ist das der Fall, könnten Sie erfasst werden. Allerdings rollt Google das FLoC Targeting gerade erst aus, so dass nicht viele Browser betroffen sind.

Fazit

Deutschland kann digital nur voran kommen, wenn Google nicht noch mehr Daten von uns erhält – kostenfrei, wohlgemerkt. Es gibt genügend andere Lösungen, die funktionell gut, aber datenschutzfreundlich sind. Google ist nicht gut, wie zahlreiche Beispiele zeigen.

Beispiel 1: Google MyBusiness Eintrag: Legen Sie ihn einmal an, werden Sie ihn nicht mehr los. Hoffentlich bewertet Sie niemand negativ, vielleicht jemand, der Sie nicht mag und fünf Pseudonyme verwendet. Ein Anruf bei Google Irland hat gezeigt, dass Google kein Interesse daran hat, das von Ihnen angelegte MyBusiness Profil wieder zu löschen oder wenigstens den Bewertungsmechanismus auszublenden.

Beispiel 2: Google missbraucht die marktbeherrschende Stellung mit Android: Die EU Kommission hat hierfür ein Bußgeld von über 4 Milliarden Euro verhängt. Google sollte damit gezwungen werden, auch andere Suchmaschinen als seine eigene zur Auswahl zu stellen . Was tat Google? Google zwang die Anbieter anderer Suchmaschinen, an einer Google Auktion teilzunehmen, deren Erlös Google zufloss (wahrscheinlich als Kompensation für die EU-Strafe). Nur die höchstbietenden Anbieter wurden von Google in die Android-Auswahl aufgenommen.

Beispiel 3: Auf der Webseite der Google Suchmaschine finden einwilligungspflichtige Vorgänge statt, ohne dass eine rechtsgültige Einwilligung eingeholt wurde.

Beispiel 4: Google sagt nicht so gerne, wer oder was mit “Google” eigentlich gemeint ist. Ist es die amerikanischen Muttergesellschaft oder die irische Niederlassung oder sind es gleich dutzende Firmen weltweit? So etwas wie ein ordentliches Impressum findet man nur gelegentlich. Auf der Startseite der deutschen Google Suchmaschine (Desktop-Ansicht) jedenfalls fehlt es. Vielleicht möchte Google nicht, dass das Konstrukt der vorgeblich eigenständigen irischen Gesellschaft noch unglaubwürdiger wird als es sowieso schon ist.

Meine Webseiten kommen allesamt ohne Google Produkte aus. Wenn es morgen die Google Suchmaschine nicht mehr gäbe, würde ich DuckDuckGo oder Ecosia nutzen. Den Chrome Browser brauche ich nicht. Google Maps als eigenständiger Routenplaner ist sehr gut, aber nicht alternativlos. Mir fehlen personalisierte Anzeigen überhaupt nicht. Am liebsten würde ich gar keine Werbung sehen, sondern mich lieber selber informieren. Sicher gibt es unterschiedliche Haltungen hierzu. Ich würde allerdings empfehlen, die eigene Haltung dem Wohle unseres Landes unterzuordnen und nicht zu sehr auf persönliche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen, die eher als Luxusprobleme zu bezeichnen sind.

Wie der Dr. DSGVO Blog hoffentlich zeigt, gibt es gute Alternativen für Webseiten-Tools. Oft reicht auch einfach weglassen. Auch gibt es ausgezeichnete datenschutzfreundliche Lösungen aus Deutschland für andere Lebensbereiche, wie etwa für Videokonferenzen. Eine Firma aus Berlin bietet mit ecosero eine DSGVO-konforme Lösung an, die Steuern in Deutschland generiert und Datenschutzregeln einhält, anders als Zoom oder Microsoft Teams. Weil ich die Lösung so gut finde, habe ich die Webseite dieser Firma sogar kostenfrei geprüft und unterstütze sie ideell so gut es geht. Wie sieht Ihr Beitrag aus? Wenn Sie sich engagieren möchten, kontaktieren Sie mich.

Wer schreibt hier?
Mein Name ist Klaus Meffert. Ich bin promovierter Informatiker und beschäftige mich seit über 30 Jahren professionell und praxisbezogen mit Informationstechnologie. Im Jahr 2017 bin ich zum Datenschutz gekommen. Mir sind juristische Gegebenheiten nicht fremd. Ich versuche, meine Ergebnisse durch Betrachtung von Technik und Recht zu gewinnen. Das scheint mir jedenfalls absolut notwendig, wenn es um digitalen Datenschutz geht. Ich würde mich freuen, wenn Sie meinen Newsletter abonnieren.
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  1. Axel

    Danke für den tollen Artikel!

  2. patrick

    Sehr cooler und extreeem ausführlicher Beitrag. Ich darf ihn hoffentlich verteilen 😉 …

    Wir tun auch etwas gegen die googlistische weltordnung – zumindest können unsere kunden (websitbetreiber) selbst entscheiden, welche persönlichen daten sie an welchen empfänger schicken – oder eben auch nicht…

    Wenn Sie europäische Tool-Tipps für webinarlösungen haben – gerne her damit. im internen bereich bewegen wir uns gerade mit pipedrive und checken gerade mailigen und outfunnel für marketingautomation ab. Allen websiteverkehr lösen wir mit unserer eigenen software und können dabei trotzdem GoogleAnalytics & Co. benutzen.

    Schönes Wochenende

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