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Internationale Online Shops und Zahlungsdienstleister: Günstig, aber nur scheinbar.

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Wer etsy will, kriegt Brexit. Kaufland rechnet kreativ ab. Online Shops erfreuen sich großer Beliebtheit und bieten oft Angebote von internationalen Anbietern. Bezahlt wird meist sofort oder auf Rechnung, dann aber nicht selten über ausländische Zahlungsdienstleister. Das Chaos ist vorprogrammiert. Ein Erfahrungsbericht.

Wer privat online einkauft, hat meist wenig bis gar keine Probleme mit der Abrechnung. Rechnungen sind nicht ganz so wichtig, weil das meiste sowieso nicht abgesetzt werden kann. Auch die Umsatzsteuer erhält der Privatmann vom Fiskus nicht zurück.

Ordentliche Rechnung

Ganz anders sieht es beim Kauf für die Firma aus. Da wäre es schon toll, eine ordentliche Rechnung zu bekommen, die folgende Anforderungen erfüllt.

  • Die Rechnung ist überhaupt da
  • Die Rechnung liegt bei oder direkt nach Bezahlung vor, insbesondere bei längeren Lieferzeiten
  • Der Rechnungsbetrag stimmt mit dem Zahlbetrag überein
  • Idealerweise stimmt der Zahlbetrag dann auch noch mit dem auf der Bestellübersicht ausgewiesenen Wert überein
  • Die Rechnung genügt deutschen Formvorschriften
  • Die Umsatzsteuer ist ausgewiesen (nicht in jedem Fall ein Rechtsanspruch)

Unbemerkt anfallende Überweisungsgebühren

Was aber für jeden wichtig ist, sind Überweisungsgebühren für Zahlungen vom eigenen Bankkonto ins außereuropäische Ausland. Wer seine Überweisung mit der Hand eintippt, merkt schnell, wenn der Empfänger in Timbuktu sein Konto hat. Wer über Klarna oder Sofortüberweisung oder Paypal bezahlt, der merkt es eher nicht. Die Folge sind Kosten für eine einzige Überweisung von 10 Euro. Jedenfalls war das bei mir so, als ich über etsy einkaufte. Hinzu kommen möglicherweise weitere Bankgebühren.

Wer (scheinbar) günstig will, muss Ausland.

Siehe Argumente dafür im Beitrag.

Gar keine Rechnung

Wer bei etsy einkauft, freut sich über individuelle Produkte, die oft von Anbietern aus dem Ausland stammen. Ich vermute, dass viele Anbieter von einer Rechnung noch nie etwas gehört haben.

Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, bei einem halben Dutzend Käufen über etsy von unterschiedlichen Anbietern überhaupt eine Rechnung erhalten zu haben.

Das führt dazu, dass die Steuererklärung besonders viel Spaß macht. Wer einen Steuerberater hat, darf sich auf Rückfragen einstellen.

Die Umsatzsteuer kann ohne Rechnung wohl nicht geltend gemacht werden, es gibt ja schließlich keinen Ausweis dafür.

Hohe Zusatzkosten

Wer nicht aufpasst, kauft bei etsy schnell mal einen Artikel für 40 Euro und muss 45 Euro Versandkosten dafür bezahlen. Das kann man nur durch Nichtkauf verhindern, muss aber darauf achten.

Anscheinend ist der Standardbezahlweg bei etsy derart, dass ins EU-Ausland überwiesen werden muss. Das finde ich nicht lustig. Ich werde bei etsy nicht mehr kaufen. Es gab keinerlei für mich wahrnehmbare Information, dass diese erhebliche Überweisungsgebühr anfällt. Das Problem hängt mit dem Brexit zusammen. Das Empfängerkonto befindet sich in Großbritannien und hat die IBAN GB20BARC20364769542755.

Wer etsy will, kriegt Brexit.
Und hohe Überweisungsgebühren.

Siehe Infos im Beitrag, Stand: 12.12.2021.

Manche Anbieter, aber meiner Wahrnehmung nach nur wenige, boten Paypal als Zahlung an. Ich hatte einen Artikel eines Anbieters mit Zahlungsart Paypal über etsy bereits rechtsverbindlich gekauft. Im Paypal-Bezahlprozess kam dann die Mitteilung, dass zu “diesem” Empfängerland aus rechtlichen Gründen eine Überweisung nicht möglich sei. Grund war, dass der Anbieter in Russland sitzt, wie ich herausfand. Der Anbieter teilte mir auf meine Rückfrage zudem freundlich und pflichtbewusst mit, dass die für den Kauf intendierte Lampe auch nicht den deutschen Vorschriften genügen würde. Deswegen wären Probleme beim Zoll zu erwarten. Der Anbieter sah keine Möglichkeit, eine andere Zahlungsabwicklung anzubieten. Es kam wegen Unmöglichkeit der Bezahlung nicht zum Kauf.

Kleiner Tipp: Viele etsy-Shops verwenden derart sprechende Namen, dass man die eigene Webseite des Shop direkt finden kann, sofern der Shop eine solche betreibt. So erspart man nicht nur sich selbst Mehrzahlungen, sondern dem Shop die etsy-Gebühren.

Fragwürdige Abrechnung

Kaufland scheint ein aufstrebender Marktplatz aus Deutschland zu sein. Ich hatte dort zwei Artikel von unterschiedlichen Anbietern in den Kaufland-Warenkorb gelegt und dann bestellt.

Beiden Rechnungen musste ich hinterherlaufen. Bei Kaufland ging das dadurch, dass man eine Anfrage pro Anbieter eröffnet und hofft, dass der Anbieter die Rechnung liefert. In vier von fünf Fällen kam die Rechnung schnell. In dem einen Fall kam gar keine Rechnung. Immerhin schaltete sich der Kaufland-Support auf meinen Wunsch hin ein. Das Ergebnis ist noch offen.

Bei Kaufland sind Rechnungen Glückssache.

Siehe Infos im Artikel, Stand: 13.12.2021.

Zurück zum Fall mit zwei auf einmal bestellten Artikeln bei Kaufland. Ich verwende hier fiktive Geldbeträge, um es plastischer zu gestalten.

Lauf Bestellübersicht von Kaufland habe ich Waren im Wert von 130 Euro bestellt.

Bezahlen musste ich 131 Euro.

Von den Anbietern erhielt ich jeweils eine Rechnung. Die Summe der Rechnungsbeträge belief sich auf 132 Euro. Zusammengefasst ergab sich folgendes Bild:

  • Bestellt = 130 Euro
  • Bezahlt = 131 Euro
  • Rechnung = 132 Euro

Wie soll ich das nur meinem Steuerberater und der es dem Finanzamt beibringen?

Verspätete Rechnung

Bei einem deutschen Online Shop bestellte ich Möbel für die Firma. Die Zahlung erfolgte sofort. Die Lieferung der Möbel sollte 12 Wochen nach Bestellung (und Bezahlung) erfolgen. Grund ist wohl die allgemeine Lage auf dem Weltmarkt, die von Lieferschwierigkeiten geprägt ist. Die Lieferung wurde dann ein weiteres Mal nach hinten geschoben.

Die Hotline-Mitarbeiter des Shops waren sehr freundlich, aber nicht hilfreich. Ich wurde mit insgesamt drei Mitarbeitern verbunden. Der dritte Mitarbeiter erklärte mir, es gäbe keine Rechnung bis zur Lieferung. Erst bei Lieferung könne die Rechnung ausgestellt werden.

Meine kurze Recherche ergab, dass meine Firma als umsatzsteuerpflichtiges Subjekt wohl Anspruch auf eine Rechnung hat. Wann diese Rechnung zu liefern sei, konnte ich nicht feststellen. Sie wird in meinem obigen Fall sicher vor der Verjährung ausgestellt, sofern der Shop sein Wort hält.

Aus Kundensicht empfinde ich es als ziemliche Zumutung, auf eine Rechnung drei Monate warten zu müssen. Erst danach kann ich die Umsatzsteuer, und womöglich auch die Kosten insgesamt, geltend machen.

Nachtrag vom 15.12.2021: Statt wie ursprünglich angekündigt in acht Wochen zu liefern, kündigte eine Nachricht per E-Mail an, dass meine Ware versandbereit sei. Ob das etwas mit meinem Anruf zu tun hatte, kann ich nicht sagen, rechne dem aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit zu.

Ein weiterer Nachtrag vom 22.12.2021: Der Kundenservice des deutschen Versandhändlers ist super. Sehr freundlich, konstruktiv und hilfreich. Alles geht auf dem kurzen Dienstweg. Top. Besser geht es nicht, finde ich.

Positives Beispiel

Während ich diesen Beitrag schreibe, klingelte es an der Tür. Es war eine angekündigte Möbellieferung vom Nostalgie-Palast, einem kleinen Shop mit niederländischen Wurzeln, wie es scheint. Der Preis der Ware war inklusive Lieferung. Die Lieferzeit war sehr kurz, vor allem in der aktuellen Corona-Lage.

Kleine Web Shops scheinen liebenswerter und oft kundenfreundlicher zu sein.

Meine Annahme.

Die Spediteure waren zwei holländische Rentner. Er war der Fahrer und Auslader. Seine Frau war für den Papierkram zuständig. Sie war aufgetakelt und trug einen Schal seitlich über die Schulter. Auch die restliche Kleidung war eher wie für einen Theaterbesuch gewählt als für die Auslieferung eines Speditionsartikels. Ihre Haare sahen aus, als käme sie gerade vom Friseur. Ihr Make-Up war deutlich erkennbar. Zudem war sie parfümiert. Sie sah aus wie Brigitte Mira in hübscher.

Er, der Auslader, fragte mich, ohne dass ich etwas tun musste, ob wir das nicht kleine Möbelstück zusammen reintragen wollen. Das war nicht seine Pflicht, sondern eine unaufgeforderte, freiwillig erbrachte Leistung. Die Lieferung war bis zur Bordsteinkante vereinbart. Wir trugen das Möbelstück zusammen problemlos rein. Danach kam die Dame rein und ließ sich die Lieferung von mir bestätigen. Beide erhielten zum Dank ein Trinkgeld von mir.

Die Rechnung erhielt ich übrigens direkt nach Zahlung. Komisch, dass manche das hinbekommen und andere nicht. Raketenwissenschaft ist eben nur was für Astronauten und Raumfahrttechniker.

Was ist mit dem Datenschutz?

Vorab: Der Nostalgie-Palast erhält von mir eine Empfehlung aus Kundensicht. Wenn die Webseite des Online Shops datenschutzkonform wäre, würde ich da als Verkäufer anfangen zu arbeiten und fragen, ob ich dafür jeden Monat Geld bezahlen darf. Allerdings besteht bei kleinen Shops oft die Möglichkeit, durch einen freundlichen Hinweis mit Nachdruck zu erwirken, dass fragwürdige Praktiken wie das Einbinden von Google Analytics ohne Einwilligung unterbleiben. Wer ein Problem mit dem Datenschutz auf Seiten größerer Anbieter hat, der sollte lieber gleich eine Abmahnung aussprechen. Die Zeit, sich die Finger mit einer E-Mail ohne Rechtsfolgewirkung wund zu schreiben, kann man sich sparen. Bleibt die Abmahnung fruchtlos, folgt die Klage. Freuen Sie sich als betroffene Person darauf, im Vorteil zu sein.

Der deutsche Online Shop nutzt Akamai für den Betrieb seiner Webseite. Damit ist wohl die gesamte Webseite rechtswidrig. Siehe hierzu den Gerichtsbeschluss gegen Cookiebot wegen Akamai. Dass der Google Tag Manager ohne Einwilligung genutzt wird, wäre ein Grund mehr für eine Abmahnung. Nach weiteren Problemen habe ich aktiv nicht gesucht.

Zahlungsdienstleister nutzen gerne mal ThreatMeetrix. Dabei wird meist heimlich und oft ohne Datenschutzhinweise ein Port-Scan des lokalen Heimnetzwerks durchgeführt.

etsy besticht durch maximales Tracking, wenn man aus Versehen allem zugestimmt hat und auf das Nudging hereingefallen ist. Auch ohne Einwilligung werden mindestens acht Cookies gesetzt. Ich behaupte, dass hiervon mindestens ein Cookie technisch nicht notwendig und somit einwilligungspflichtig gemäß § 25 TTDSG ist (Beweis: Sachverständigengutachten). Die Rechtmäßigkeit der Datenweitergabe an Zahlungsdienstleister habe ich nicht weiter geprüft. Hier sehe ich aber aus der Erfahrung heraus Probleme. Vor allem tracken Zahlungsdienstleister nach meiner Erfahrung gerne mal ohne Rechtsgrundlage.

Laut Datenschutzerklärung ist etsy ein amerikanisches Unternehmen (Muttergesellschaft in den USA). Die Stichworte Privacy Shield und Schrems II kommen hier besonders zum Tragen. Laut Impressum ist die irische Tochter für die deutsche Webseite zuständig. In der Datenschutzerklärung ist angegeben, dass die Daten von Irland in die USA wandern.

Kaufland verwendet Cookiebot und ist damit bereits angezählt. Siehe den gerichtlichen Beschluss gegen Cookiebot oben, wonach der Einsatz von Cookiebot rechtswidrig ist. Cookiebot weist meiner Untersuchung nach zahlreiche Mängel in der Praxis auf. Wer sich auf Cookiebot und seine Werbeaussagen verlässt, ist meiner Meinung nach verlassen.

Kaufland verwendet kein Nudging, sondern erschwert die Ablehnung, indem dafür zweimal geklickt werden muss, für die Einwilligung aber nur einmal. Das halte ich für rechtswidrig. Das LG Rostock sieht es auch so. Ganz ohne Einwilligung lädt Kaufland den Google Tag Manager. Wieder jemand, der die Datenschutzgesetze nicht kennt oder nicht weiß oder nicht wissen will, dass Google derart erhaltene personenbezogene Daten zu eigenen Zwecken nutzt.

Kaufland ist ein Marktplatz mit Sitz in Deutschland. Das erstaunt, denn der Marktplatz hat was zu bieten. Was Datenschutz angeht, könnte es besser sein. Anscheinend sind Online Shops verstärkt vom Wunsch betroffen, rechtswidrige Datenverarbeitungen in Form von Tracking und ähnlichem zu betreiben. Dass Kaufland die Abrechnung nicht besser hinbekommt (s.o.), scheint mir am Marktplatz-Charakter zu liegen. Mir als Kunde ist es egal, was der Grund ist.

Fazit

Wer günstig will, muss Ausland, bekommt aber oft teuer und schlecht. Wer gut und richtig will, muss Deutschland und bekommt meist auch das. Die Chance für eine ordentliche Abwicklung inklusive der Abrechnung und Zahlung ist jedenfalls erheblich höher, wenn Geschäfte mit deutschen Anbietern gemacht werden. Übrigens zahlen deutsche Online Shops üblicherweise auch nennenswerte Steuern in Deutschland. Das kann man von etsy wohl nicht unbedingt behaupten. Auch Paypal mit Sitz in Luxemburg scheint mir nicht der größte Deutschland-Unterstützer zu sein. Herr Thiel, der nicht nur in Paypal, sondern auch in die in meinen Augen asoziale Plattform Facebook investiert ist, hat scheinbar nur solche Eisen im Feuer.

Wer am besten will, unterstützt kleinere Anbieter. Zu oft bei Amazon, Kaufland und Wayfair zu kaufen, erhöht die Chancen, dass der Markt für die Kleinen zugrunde geht. Irgendwann gibt es nur noch unzufriedene Endanbieter und maximalen Profit bei den Großen, die sich dann noch mehr Rechtsverstöße leisten können, ist jedenfalls meine Meinung.

Tendenziell sehe ich ausländische Webseiten zum Datenschutz erheblich schlechter aufgestellt als deutsche Webseiten. Vielleicht sollte man die Kosten für verlorene Umsatzsteuer, Überweisungsgebühren, das Nachrennen nach Rechnungen, höhere Versandkosten, bezahlen mit eigenen Daten und weniger Steuereinnahmen für das eigene Land beim nächsten Einkauf auch mal einpreisen.

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